TanzPur4

Ballett des Theater Pforzheim

TANZ PUR verspricht der gleichnamige, mehrteilige Tanzabend des Ballett Theater Pforzheim. Im Zentrum bei TANZ PUR: nichts weniger als die spannende Frage, wie international arbeitende Choreografen Bewegung im Raum denken und organisieren und welche Themen sie im wahrsten Sinne des Wortes bewegen.

Für TANZ PUR 4 hat Ballettchef Guido Markowitz zwei Choreografen und ein Kollektiv gebeten, gemeinsam mit den 12 Tänzer*innen des Ballett Theater Pforzheim neue Werke zu kreieren: den Schweizer und stellvertretenden Ballettdirektor des Theater Pforzheim Damian Gmür, den aus Israel stammenden Choreografen Edan Gorlicki sowie ein Kollektiv von Choreograf*innen und Tänzer*innen aus der südschwedischen Stadt Linköping.
Allen Künstler*innen gab Markowitz zudem die Aufgabe, bereits in bester Tradition, Tanz an ungewöhnlichen Orten in Pforzheim zu präsentieren. Nach der Schlosskirche, dem Emma Jäger-Bad und dem Schmuckmuseum erobert das Ballett Theater Pforzheim mit TANZPUR 4 nun das Gasometer Pforzheim als neuen Spielort. Die gigantische Präsentation des 360-Grad-Riesenrundbildes des Great Barrier Reef vor der australischen Künste von Yadegar Asisi inspiriert die Choreograf*innen ohnegleichen. Der sinnlich intensive Erlebnisort wird zur Spielfläche gegensätzlicher choreographischer Ansätze.

KOLLEKTIV LINKÖPING: MEANWHILE
Das Tanzsolo – seit Beginn der Tanzmoderne vor über hundert Jahren genießt es vor allem unter frei schaffenden Künstler*innen hohe Anziehungskraft. Plattform konkret erzählter Gefühle und Geschichten oder schlicht Praxis fortlaufender, energetischer Bewegung im Raum, durchläuft das Format seit Jahrzehnten eine ganze Bandbreite an Ausdrucksintentionen.
Für Anita Garcia Diego, Sofia Sosso Harryson, Tea Harryson, Matilda Larson, Per Enequist und Vincent Jonsson, ein aus sechs Choreograf*innen bestehendes, frei arbeitendes Kollektiv, wurde das Tanzsolo zum spannenden Forschungsobjekt. Ist es möglich, gemeinsam ein Solo zu kreieren, das die künstlerische Freiheit, die Bedürfnisse und Wünsche jeden Einzelnen berücksichtigt und zudem das Publikum mit einbezieht? Anhand eines gemeinsam erstellten Leitfadens, Ergebnis eines mehrwöchigen künstlerischen Forschungsprozesses in Linköping und Pforzheim, werden Eleonora Penacchini und Evi van Wieren vom Ballett Theater Pforzheim im Gasometer jeweils ein Solo tanzen, dessen individuellen Inhalt sie auf Grundlage des vorgegebenen Regelkatalogs selbst entscheiden. Die Tänzerinnen zeigen sich von einer ganz anderen Seite.

EDAN GORLICKI: DIVING THE YONGALA
Das berühmte Passagier- und Frachtschiff „S.S. Yongala“ sank 1911 im Great Barrier Reef vor der Australischen Küste. Heute zählt das Wrack am Meeresboden zu den schönsten und attraktivsten Tauchplätzen in der ganzen Welt. Zugleich erzählt es eine vergessene Geschichte. 122 Menschen starben, als die „S.S. Yongala“ sank. Bis heute wurde kein einziger menschlicher Körper gefunden.
Gorlicki nimmt den Gegensatz zwischen der tragischen Geschichte des Schiffswracks und der Schönheit des Lebens am Meeresboden zum Ausgangspunkt für eine performative Installation, in der sich die Zuschauer*innen wie Taucher*innen im Meer bewegen. Je nachdem, wo sie sich aufhalten oder welchen Standort im Raum sie wählen, entdecken Sie einen anderen Aspekt, der mit der Vergangenheit des Schiffwracks zu tun hat. „Diving The Yongala“  – das Publikum wird Zeuge, wie das Thema Tod oder  nicht erzählte Lebensgeschichten physisch nachempfunden werden.

DAMIAN GMÜR: LOST GROUND WE STEP ON
Damian Gmür, der bereits seine zweite, eigenständige Arbeit für das Ballett Theater Pforzheim choreografiert und zuletzt als Co-Choreograf im Schmuckmuseum zu erleben war, lässt sich von der eindrücklichen Botschaft der aktuellen Gasometer-Ausstellung inspirieren: „Das Meer zelebriert und symbolisiert mit seiner unglaublichen Artenvielfalt den Inbegriff von purem Leben. Seine Kraft kann zugleich Leben zerstören. Gleichzeitig bedrohen die Erderwärmung, die anhaltende Verschmutzung der Meere und damit einher gehende Zerstörung von Lebensräumen den ökologischen Reichtum. Wir werden mit Verlust konfrontiert“. Die damit verbundenen Spannungszustände bilden den markanten Ausgangspunkt für seine neue Choreografie. Gmür interessiert sowohl der menschlich-pychologische Umgang mit Verlust als auch dessen Übersetzbarkeit in Körper- und Bewegungszustände. Eletrisierend wirkt dabei, die Schönheit und Verletzbarkeit echten Lebens in einem Raum einer Illusion, dem Gasometer, zu vergegenwärtigen.

Besetzung:
Tänzer*innen – Elias Bäckebjörg, Johannes Blattner, Stella Covi, Leon Damm, Isaac di Natale, Ria Girard, Selene Martello, Eleonora Pennacchini, Abraham Iglesias Rodriguez, Alba Valenciano Lopez, Evi van Wieren, Dario Willmington
Kostüme — Katharina Andes
Beleuchtung — Andreas Schmidt
Dramaturgie — Alexandra Karabelas
Fotos — T. Schulze (Gasometer), S. Haymann